Wie wird eine Anämie korrekt diagnostiziert?

(Eisenmangel)

Die AWMF Leitlinie 025/021: «Eisenmangelanämie» von 2021 empfiehlt in Fällen mit typischer und plausibler Anamnese für einen alimentären Eisenmangel und dazu passender Pathologie des Blutbildes keine weitere Diagnostik.

Für eine ausführliche und korrekte Ernährungsanamnese bietet sich die Zuweisung zur Ernährungsberatung an. Besonders, da die Leitlinie bei alimentärem Eisenmangel als oberste Priorität eine Ernährungsberatung empfiehlt.

Diagnose nach AWMF Leitlinie 025/021: «Eisenmangelanämie» von 2021

Labordiagnostik:

Blutbild: Hb, MCH und MCV unter die Altersnorm vermindert; Retikulozytenzahl für das Ausmaß der Anämie inadäquat niedrig; verbreiterte Verteilungskurve des Erythrozytenvolumens (Erythrozytenverteilungsbreite (EVB, syn. engl. RDW) über den im jeweiligen Labor ermittelten oberen Normalwert erhöht).

In vielen Fällen mit typischer und plausibler Anamnese für einen alimentären Eisenmangel und dazu passender Pathologie des Blutbildes bedarf es keiner weiteren Diagnostik.

Wenn eine Verlaufskontrolle des Blutbildes nach begonnener oraler Substitutionsbehandlung die typische Dynamik (Retikulozytenkrise nach einer Woche, Hb – Anstieg) zeigt, ist die Diagnose eines alimentären Eisenmangels ohne größeren Zeitverzug belegt. Andernfalls muss insbesondere bei ausreichender Therapiecompliance eine weitergehende Diagnostik erfolgen.

Ferritin:

Die Serumferritinkonzentration reflektiert semiquantitativ die intrazelluläre Ferritinkonzentration und somit die Füllung der Eisenspeicher. Beim Eisenmangel ist das Serumferritin unter die Altersnorm vermindert. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Serumferritin bei chronischen Leberkrankheiten oder systemischen Entzündungsreaktionen erhöht sein kann und somit in diesen Situationen kein zuverlässiger Parameter für die Diagnostik eines Eisenmangels ist. In unklaren Situationen kann auch die Messung der Transferrinsättigung und des Zn-Protoporphyrins hilfreich sein.

Löslicher Transferrinrezeptor (sTfR):

Die TfR-Expression wird abhängig vom zellulären Eisenstatus reguliert. Die Konzentration des löslichen Transferrinrezeptors reflektiert zusammen mit der Serumferritinkonzentration, unabhängig von Begleiterkrankungen wie z. B. Infekten, den Eisenstatus und ist beim Eisenmangel aber auch bei Erkrankungen mit gesteigerter Hämatopoese (z. B. auch bei hämolytischen Anämien) erhöht. Bei Patienten mit chronischen Leberkrankheiten oder systemischen Entzündungsreaktionen kann der lösliche Transferrinrezeptor daher ein wertvoller Parameter für die Diagnostik eines Eisenmangels sein. Die Normalwerte sind testabhängig.

Retikulozytenhämoglobin (Ret-Hb, CHr, Content Hemoglobin of reticulocytes):

Dieser von modernen Zellzählautomaten direkt bestimmte Parameter reflektiert die Effizienz der Hämoglobinisierung von Erythrozyten und eine Verminderung unter 28 pg kann unabhängig von Begleiterkrankungen als früher Marker eines funktionellen Eisenmangels dienen.

Diagnostik nicht alimentärer Ursachen eines Eisenmangels: Die Feststellung einer Eisenmangelanämie ist per se noch keine ausreichende Diagnose. Bei fehlendem Beweis einer alimentären Ursache muss mit geeigneten Methoden nach Resorptionsstörungen (z. B. glutensensitive Enteropathie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und andere Malabsorptionssyndrome, auch Helicobacter pylori – Besiedelung des Magens), die Kompensationsfähigkeit übersteigenden Verluste (offene und okkulte chronische Blutverluste), chronischen entzündlichen Erkrankungen (mit einer Eisenverschiebung in das RHS) oder seltenen genetischen Ursachen gesucht werden.

Einfluss der Ernährung auf Eisenmangelanämie

Laut der AWMF Leitlinie 025/021: «Eisenmangelanämie» von 2021 werden täglich von den 15-20 mg in der Nahrung enthaltenen Eisens 1-2 mg aufgenommen. In etwa gleicher Menge geht Eisen über abgeschilferte Epithelien oder kleinere Blutverluste etc. verloren. Während des Wachstums und in Kompensationsphasen einer Mangelsituation kann die Eisenaufnahme gesteigert werden. Der menschliche Körper eines Erwachsenen enthält Eisen (Männer: 50 mg/kg, Frauen: 38 mg/kg) hauptsächlich in Form von Hämoglobin (60 – 75 %), Myoglobin (30 %) und einer Reihe von Enzymen, die Eisen als Kofaktor benötigen (2 %) sowie an Ferritin gebundenes Depoteisen (10 – 25 %). Darüber hinaus hat der Organismus des Heranwachsenden einen höheren, alimentär zu befriedigenden Eisenbedarf. Eisen ist in allen Nahrungsmitteln enthalten. Allerdings ist im Häm (z.B. in Fleisch) oder im Laktoferrin (in der Muttermilch) enthaltenes Eisen ca. 4-fach besser bioverfügbar als nicht in dieser Form gebundenes Eisen (Björn-Rasmussen E et al. 1974).

Die Resorption von Eisen erfolgt als zweiwertiges Eisen im Duodenum und im oberen Jejunum. Nur kleine Mengen werden in Magen, Ileum oder Colon resorbiert. Dabei werden dreiwertige Eisenionen zunächst über das in der apikalen Zellmembran lokalisierte duodenale Cytochrom B in zweiwertige Ionen reduziert und dann via DMT1 (divalent metal transporter-1) aufgenommen. Das Eisen im Häm aus tierischen Quellen ist liegt bereits als zweiwertiges Fe++ vor und muss daher nicht reduziert werden.

Bereits eine geringe Störung der Balance zwischen Absorption und Verlust kann zur Eisenmangelsituation führen. Global ist die Hauptursache des Eisenmangels die Mangelernährung. Aber auch unter guten wirtschaftlichen Bedingungen wie in Europa ist der Eisenmangel meist alimentär durch eine Fehlernährung mit eisenarmer Diät verursacht, so dass die Häufigkeit des Eisenmangels bei Kindern in Europa auf ca. 10-15% geschätzt wird (Aggett et al. 2002). Bei ausreichendem alimentären Eisenangebot kann einem Eisenmangel eine verminderte duodenale Resorption (z.B. bei Zöliakie), chronischer Blutverlust (z.B. bei Menorrhagie), eine chronische entzündliche Erkrankung (z.B. rheumatoide Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankung) oder selten auch eine genetische Ursache einer eisenrefraktären Eisenmangelanämie (IRIDA für iron-resistant iron deficiency anemia) zu Grunde liegen (Ioalascon et al. 2009). Bei den Patienten mit eisenrefraktärer Eisenmangelanämie ist die Konzentration von Hepcidin im Urin normal bis deutlich erhöht – im Gegensatz dazu bei Patienten mit alimentär bedingtem Eisenmangel stark erniedrigt bzw. fehlend.

Wissenswertes

Das CRP muss gleichzeitig mit Serumferritin bestimmt werden, da dieses bei Entzündungsreaktionen erhöht sein kann.

Verordnung zur Ernährungsberatung bei Eisenmangel

Bei Fehlernährung kann die Ernährungsberatung mit dem offiziellen Formular für Anmeldung zur Ernährungsberatung verordnet und über die Grundversicherung abgerechnet werden.

Beratung die
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